17. Oktober 2019

KOMMENTAR

von Manfred Radmayr

Mahatma Staudinger


m.radmayr@hallo-zeitung.at

Er ist ein Rebell, und er ist im Recht.Der Waldviertler Schuhproduzent Heini Staudinger mit GEA-Filialen in Linz und Wels ist alles andere als ein Duckmäuser. Er legt sich mit der Politik genauso an wie mit Banken. Seine Kunden verehren ihn für seine Aufrichtigkeit und seinen Kampf für Gerechtigkeit. Hier steht er in der guten Tradition von Mahatma Ghandi, der für Staudinger seit seiner Jugend Vorbild ist. Ghandi, dessen Geburtstag sich am 2. Oktober zum 150. Mal jährt, ist neben Nelson Mandela und Martin Luther King der personifizierte Freiheitskampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Ghandi ging 1930 mit einigen Dutzend Anhängern von seinem Wohnort 385 km bis ans Arabische Meer, um dort am Strand symbolisch einige Körner Salz aufzuheben. Dieser „Salzmarsch“ war ein spektakulärer Protest gegen das Salzmonopol der britischen Kolonialmacht in Indien. Von Ghandi friedlich animiert, begannen die Inder ihr Salz wieder selbst zu gewinnen. Es kam zu zehntausenden Verhaftungen, doch am Ende stand die Unabhängigkeit Indiens und Aus der britischen Kolonialherren.
Diese Woche ruft Mahatma Staudinger zum „Salzmarsch“ von Schrems, wo seine Schuhfabrik steht, nach Wien auf. Er protestiert damit gegen die Einfuhrumsatzsteuerbefreiung bei einem Warenwert bis zu 22 Euro. Das heißt, Amazon, alibaba & Co zahlen bei Rechnungen bis zu 22 Euro keine Mehrwertsteuer. Heini Staudinger fragt daher im Namen aller heimischen Klein- und Mittelbetriebe: Warum hilft unsere Regierung nicht zu uns, sondern zu den Internetkonzernen? Gewinnsteuern zahlen diese Konzerne ohnehin fast keine, und als Draufgabe erhalten sie auch noch das Mehrwertsteuer-Geschenk. alibaba hat beispielsweise 2017 von China 560 Millionen Pakete nach Europa geschickt. Davon hatten 97 Prozent einen angegebenen Warenwert von unter 22 Euro. Das wäre ein Thema für den öden Wahlkampf gewesen.